Ein Häuschen, das den Austausch fördert

Katharina Kleiter, Tue, December 14. 2021

Im Werkraum Bregenzerwald lassen Mitglieder mit ihren Lehrlingen ein mobiles Modul entstehen: das Werkraumhäuschen. Das Projekt soll als Botschafter für nachhaltiges Bauen in die Welt hinausziehen. Geleitet wird das Vorhaben vom jungen Architekten Wolfgang Schwarzmann, der an der Universität Liechtenstein forscht.

Mit etwas müdem, aber erfülltem Blick und einer Flasche Bier in der Hand lehnt Wolfgang Schwarzmann an einem der Holzpfeiler des Werkraumäuschens. Neben ihm stehen zwei Lehrlinge von Werkraum Mitgliedsbetrieben. Auch sie wirken zufrieden. Der junge Architekt aus Dornbirn leitet das Projekt „Werkraumhäuschen“, welches im Zuge der Wanderausstellung „Constructive Alps. Bauen für das Klima“ umgesetzt wird. Im Zentrum stehen dabei nachhaltige Sanierungen und Neubauten, die im Alpenbogen stehen.

Tagtägliche Zusammenarbeit

Das Werkraumhäuschen ist Teil von Schwarzmanns Doktorarbeit und im Rahmen des FFF-Projektes „Digitale Meister“ an der Universität Liechtenstein eingebettet, an der er forscht. „Der direkte, stetige und intensive Austausch mit Handwerkenden aus der Region ist für mich die größte Bereicherung bei dieser Umsetzung“, sagt der Architekt. Denn das Werkraumhäuschen ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem möglichst viele Mitglieder und unterschiedliche Gewerke aus der Region mitarbeiten sollen. „Das unterscheidet unsere Forschungsbaustelle auch von herkömmlichen Baustellen. Anstatt einer Zimmerei haben wir hier vier vor Ort. Und statt einer Spenglerei drei.“

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Die Kommunikation spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. „Das ist am Bau immer so, gilt bei uns aber noch einmal verstärkt, da so viele Menschen und Betriebe involviert sind“, erklärt Schwarzmann. Darum ist es wichtig, dass die Schnittstellen klar definiert sind und gut funktionieren. Egal ob es sich um einen gezeichneten Plan oder mündlich weitergegebene Informationen handelt. „Nur so kann eine gute Kooperation gelingen.“

„Beim Werkraumhäuschen geht es vor allem um den gemeinsamen Austausch zu einem wichtigen und zukunftsträchtigen Thema. Das Ziel ist definiert: 2022 soll es fertiggestellt sein. Das bedeutet: Alle Wände sind geschlossen, es gibt mindestens eine Tür- und Fensteröffnung und das Dach ist wetterfest“, erklärt Werkraum-Geschäftsführerin Belinda Rukschcio ihren Zugang zum Projekt. Der Weg zum Ziel wird allerdings bewusst offen gehalten. Im kooperativen Miteinander unter den Mitgliedern können die unterschiedlichsten Lösungen gefunden werden. „Wir machen keine Vorgaben.“

Junge Generation

Wichtig für das Gelingen des Werkraumhäuschens ist aber nicht nur eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Betrieben und Gewerken, sondern auch die Einbeziehung von jungen Handwerkenden. Darum werden aktiv Lehrlinge der Mitgliedsbetriebe angesprochen. „Sie sind es, die in Zukunft unsere Häuser bauen werden und ihnen müssen wir möglichst viele Möglichkeiten geben, um kreative Lösungsansätze zu finden“, so Architekt Schwarzmann. Aber nicht nur Werkraum-Mitglieder sollen am Werkraumhäuschen mitbauen. Auch externe Gestaltende – wie ArchitektInnen – oder Betriebe, die nicht Mitglied sind, sind herzlich dazu eingeladen.

Was alle Mitwirkende eint, ist: das Verständnis für die Wichtigkeit von nachhaltigem Bauen. Dabei gibt es zwei zentrale Schlagwörter: „Sortenrein und rückbaubar.“ Darum werden beim Werkraumhäuschen auch nur Materialien eingesetzt, die nicht legiert oder beschichtet sind bzw. auch nicht mit anderen Stoffen durchmischt sind. Denn nachhaltiges Bauen bedeutet auch immer einen sensiblen Umgang mit dem Bestand, der Umgebung und der Region. Auch ist es von Bedeutung, dass Bauteile möglichst einfach rückgebaut und im Besten Fall anderswertig weiterverwendet werden können. Alltägliche Lösungen eignen sich dafür nicht immer. „Mit dem Werkraumhäuschen haben wir die Chance, Dinge auszuprobieren, die in der knallharten Baustellenrealität keine Chance haben, weil sie aus bautechnischer Sicht oder aus zeitlichen und finanziellen Gründen zu riskant sind“, sagt Schwarzmann.

Doch genau darum geht es, wenn zukunftsfähiges Handwerk und Architektur geschaffen werden sollen. Ein breites Bewusstsein dafür gibt es im Bregenzerwald glücklicherweise. Und das Werkraumhäuschen – als mobiles Modul – soll der Welt dafür als Beweis dienen, wenn es nach Fertigstellung auch im Ausland präsentiert wird.

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